Europas größter Autobauer Volkswagen hat seine Anteile an dem Nutzfahrzeugbauer MAN auf rund 30 Prozent aufgestockt und daneben ein Pflichtangebot an die restlichen Aktionäre des Münchner Konzerns gemacht. Der Volkswagen-Finanzchef Hans Dieter Pötsch strebt in Zukunft einen Anteil von 35 bis 40 Prozent an dem Nutzfahrzeughersteller an, was den Wolfsburger Autobauer geschätzte 1,5 Milliarden Euro kosten dürfte. Volkswagen hält bereits bei dem Nutzfahrzeugbauer Scania aus Schweden die Mehrheit der Stimmrechte. Das Ziel von VW ist es, eine engere Kooperation der beteiligten Konzerne bei der Entwicklung, Produktion sowie beim Einkauf zu erreichen. Laut Pötsch betragen die Synergien pro Jahr alleine beim Einkauf rund 200 Millionen. In der Vergangenheit lief die Kooperation der LKW-Bauer eher mühsam und schleppend, was unter anderem mit den kartellrechtlichen Beschränkungen zu tun hat. Um eine enge Zusammenarbeit zwischen Volkswagen, Scania sowie MAN zu erreichen, sind fusionskontrollrechtliche Genehmigungen erforderlich. Außerdem müsste Volkswagen die Anteile an MAN weiter aufstocken. Aus diesem Grund hat VW beschlossen, sämtliche Vorgaben zu erfüllen, um alle bisher vorhandenen Beschränkungen zu überwinden.

Der Betriebsratschef von MAN, Jürgen Dorn, befürwortete die Pläne grundsätzlich, verlangt von VW jedoch eine Standort- sowie Arbeitsplatzsicherung. Volkswagen müsse es laut Dorn vor allem mit den Arbeitnehmerrechten sowie der Sicherung der Beschäftigung absolut ernst meinen. Auch der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil betonte, dass Volkswagen sowie MAN sämtliche Standorte und Arbeitsplätze erhalten muss. Seiner Ansicht nach sei MAN eines der Aushängeschilder der Wirtschaft in Bayern und soll es künftig auch bleiben. Zudem dürfe die Diesel- und Turbo-Sparte in Augsburg nicht abgespalten werden und sollte weiterhin Teil des MAN-Konzerns bleiben. Sollte sich der Konzern von diesen Unternehmenssparten trennen, könnte dies im schlimmsten Fall zu einer kompletten Zerschlagung des Nutzfahrzeugherstellers führen. Schon Ende dieses Monats will Volkswagen den Aktionären von MAN ein Angebot vorlegen, wobei der exakte Preis bislang noch nicht bekannt ist. Laut ersten Vermutungen dürfte dieser jedoch bei rund 95 Euro pro Aktie liegen, womit VW keinen Aufschlag auf den momentanen Aktienkurs bietet.



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