Es begann mit einem im August 2007 angemeldeten Patent von Microsoft, welches beschreibt, wie Signale einer Hirnstrommessung durch Elektroenzephalographen so gefiltert werden können, dass sie sinnvoll für die Erprobung neuer Computertechnologien genutzt werden können und endet, vielleicht mit einer Werkstatt in Berlin, welche die Remote-Steuerung für ein brandneues Auto konfiguriert. Das Patent definiert ferner ein System, mit welchem Microsoft in Zukunft die Art der Interaktion zwischen Computer und Mensch zu erforschen sucht. Hintergrund der Entwicklung ist die Suche nach Wegen, um verlässlichere Tests für die Erprobung von benutzerfreundlichen Produkten zu entwickeln, in der Fachsprache „Usability-Forschung“ genannt. Konkret soll die Technik in Zukunft bei der Arbeit an neuen Benutzeroberflächen zum Einsatz kommen. So könne man, laut Microsoft, besser ermitteln, wie genau eine Testperson auf bestimmte Eigenschaften eines Interface reagiert.

Ein nächster weiterer Schritt gelang einem Forscher-Team der Technischen Universität Berlin im Folgejahr. Diese waren mit dem Experiment eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Maschine herzustellen erfolgreich. In ihrem Versuch verbanden die Wissenschaftler einen Probanden via „Berliner Brain Computer Interface“ (BBCI) mit einem Computer.

Die elektrische Hirnaktivität wird, durch an der Kopfhaut angebrachte Elektroden, mit dem BBCI gemessen. Diese Signale spiegeln nicht nur ausgeführtes Verhalten, wie Bewegungen, sondern auch lediglich gedachte Verhaltensweisen wider, beispielsweise eine nur gedachte Hand- oder Fußbewegung. Durch moderne Methoden des Maschinellen Lernens können EEG-Signale in technische Steuersignale für Computer oder auch andere Maschinen umgewandelt werden. So wird zum Beispiel gelähmten Menschen die Möglichkeit eröffnet in revolutionärer Art und Weise mit der Umwelt zu interagieren, sei es über das Verfassen von Texten oder sonstiger Mitteilungen. Dabei liegt der Fokus auf einer möglichst korrekten und genauen Erkennung der Nutzerabsicht, sowie gleichermaßen auf der temporären Präzision.

Das Besondere am demonstrierten Experiment mit dem Flipper-Automaten ist die Geschwindigkeit, mit welcher das BBCI-System auf die Gedanken des Benutzers reagiert. Durch die, mit weit unter einer Sekunde, sehr schnelle Erkennung und Zuordnung der Signale kann der Benutzer auf den Lauf der schnellen Kugel im Flipperspiel rechtzeitig reagieren. Dabei werden die Schläger des Flipper-Automaten lediglich durch vorgestellte, aber nicht ausgeführte Bewegungen gesteuert. Der Mann, der die Forschungsgruppe leitet, Herr Müller wie folgt zur Sache: „Bereits seit einigen Jahren forschen Wissenschaftlerteams in Europa und den USA an Brain -Computer-Interface-Systemen, die einen direkten Dialog zwischen Mensch und Maschine ermöglichen sollen. Mit unserem Berliner Brain Computer Interface-Projekt und der extrem schnellen Reaktionserkennung bei unserem aktuellen Experiment können wir einen weiteren Durchbruch vermelden.“

An anderer Stelle zum Beispiel war es Informatikern der Freien Universität zu Berlin möglich, Gehirnströme mit Fahrtechnik zu verbinden und somit ein Auto per Gedankenkraft zu steuern. Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof wurde das Experiment „Fahren per Gedankensteuerung“ durchgeführt. Zu diesem Zweck griffen die Forscher auf handelsübliche Sensoren zur Messung von Gehirnströmen zurück. Im Test hat man für einen Probanden herausgefunden, welche bioelektrischen Wellenmuster für Steuerbefehle wie „bremsen“, „beschleunigen“, „links“ oder „rechts“ unterschieden werden können. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde dann eine Schnittstelle entwickelt, um die Sensoren an ein sonst rein computergesteuertes Fahrzeug anzubinden. Im Endeffekt konnte das Fahrzeug schließlich erfolgreich per Gedanken gesteuert werden. Es bleibt abzuwarten welche Neuerungen aus dem „AutoNOMOS-Projekt“ Einzug in die Welt abseits der wissenschaftlichen Spähren halten werden.



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